Betroffene von sexualisierter Gewalt werden systematisch zum Schweigen gebracht. Denn nicht nur sexualisierte Gewalt ist Gewalt, sondern auch die Diskurse, das Sprechen und Schweigen darüber, sind wiederum von sprachlicher Gewalt durchzogen. Das ist die Hauptthese des Buches „Sprechen und Schweigen über sexualisierte Gewalt. Ein Plädoyer für Kollektivität und Selbstbestimmung“. Es handelt sich dabei nicht (nur) um sprachliche Gewalt, die jegliches Sprechen über sexualisierte Gewalt komplett verhindert, wie etwa Drohungen, die Erzeugung von Scham oder Angst. Vielmehr prägt die sprachliche Gewalt die Diskurse über sexualisierte Gewalt auf eine spezifische Art und Weise, etwa durch die Erwartung einer bestimmten Opferperformance oder die Entstimmlichung der Betroffenen, also wenn ihrem Sprechen seine Kraft und Bedeutung genommen, es verharmlost oder ignoriert wird.
Was tun? Die gute Nachricht ist: Empowerndes und selbstbestimmtes Sprechen über sexualisierte Gewalt ist möglich. Doch ob es gelingt, hängt weniger von den Betroffenen selbst ab, als vielmehr von ihrem sozialen Umfeld und den strukturellen Bedingungen, innerhalb derer die Gewalt und das Sprechen
darüber stattfindet. Gelingendes Sprechen zeichnet sich dadurch aus, dass es gehört wird und die gewünschten Wirkungen entfaltet, also Anerkennung, Gerechtigkeit oder Unterstützung. Es ist sicheres und selbstbestimmtes Sprechen. Letztlich liegt es nicht in der Hand der Betroffenen, sondern in der Hand der Zuhörenden, ob Sprechen über sexualisierte Gewalt gelingt. Dafür braucht es auch ein starkes, das heiflt auch praktisch wirksames gesellschaftliches Verständnis davon, dass sexualisierte Gewalt nicht passieren darf und auch ihre alltäglichen Ausprägungen vehement bekäpft werden müssen.
FACHTAGUNG
für Professionelle aus den Bereichen Psychotherapie, Medizin, Gesundheit und Soziales, sowie am Thema Interessierte.
Do 07. + Fr. 08. Mai 2026 in der Stadthalle Bielefeld
Organisiert von Wildwasser Bielefeld